Das Freibad – von damals bis heute

Das Freibad Altglashütte liegt in der nördlichen Oberpfalz nahe der ehemaligen tschechischen Grenze. Für ein Freibad nicht alltäglich in einer Höhenlage von 720 Meter über den Meeresspiegel. Dies ist sehr zu beachten, weil wir andere Temperaturen erleben, wie Bäder in einer niedrigen, windgeschützten Tal Lage. Schon beim Bau dieser Freizeitanlage wurde die ehemalige Gemeinde Hohenthan vom Wetteramt Nürnberg auf diese nachteilige Situation im Energieverbrauch darauf aufmerksam gemacht. Der Standort wurde dennoch beibehalten, weil im Gemeindegebiet Hohenthan jährlich über 50 000 Übernachtungen buchten und diese vorrangig im Urlaubsort Altglashütte übernachteten.
Der Kostenaufwand mit einer 80% Förderung betrug 1.200.000,00 DM und wurde von der ehemaligen Gemeinde Hohenthan finanziert.

Die gesamte Fläche mit Liegewiese beträgt 3,3 ha oder 10 Tagwerk. Das Becken ist ein Kombinationsbecken mit einem Kinderbereich Wassertiefe 60 cm – 125 cm, einem Nichtschwimmerbereich Wassertiefe 125 cm und einem Schwimmerbereich mit einer Wassertiefe von 180 cm übergehend in den Sprungbereich mit einer Wassertiefe von 350 cm.
Die gesamte Wasserfläche hat 870 qm mit einem Beckeninhalt von 1.500 cbm Wasser, welches aus der örtlichen Wasserleitung entnommen wird.
Die geplante Badesaison beginnt Mitte Mai und endet Anfang September. Hier bestimmt nicht das Datum die Zeit der Öffnung und Schließung, sondern die Wetterbedingungen und Vorhersagen. Man hat aus jahrelangen Erfahrungen und der momentanen finanziellen Situation der Kommunen gelernt. Die Badefreudigkeit ist zurückgegangen und Bäder füllen sich nur an tatsächlich schönen Sonnentagen. Auch die angebotenen Wassertemperaturen bis 26 Grad können die Schwimmer nicht zum Baden verleiten.
Diese wenige Nutzung einzelner Badegäste steht in keinem Verhältnis zu den Betriebsausgaben im Energieverbrauch und den Personalkosten. Ich beziehe meine Erfahrungen auf ein normales Schwimmbad und nicht auf Spaß- und Sportbäder.
Unser Freibad ist ausgestattet mit einem 1 Meter Sprungbrett, einem 3 Meter Sprungturm. Wir haben eine Wasserrutsche mit 29 Meter Länge und eine kleinere Wasserrutsche.

Für unsere kleinen Badegäste haben wir ein eigenes Kinderplanschbecken und daneben befindet sich ein vielseitiges Kletter-Spielgerät

Durch unsere zwei Sonnenkollektoranlagen bieten wir unseren Badegästen kostenlose warme Duschmöglichkeiten an.

Für uns stellten sich die Fragen, in welchen Bereichen können wir Einsparungen treffen und den Badegästen mehr Service anbieten? Haben wir Möglichkeiten die Personalkosten zu senken? Haben wir nicht, weil nur ehrenamtliche Helfer beschäftigt sind! Können wir die Eintrittspreise erhöhen? Ist das Serviceangebot vom Kiosk ausreichend oder die Angebote zu teuer? Welche Möglichkeiten an Energie Einsparungen haben wir. Wasser aus dem Ortsnetz mit eigenem Brunnen ergänzen? Wir stellten auch Anfragen wegen, „Energieoptimierte Filtersteuerung“ für das Freibad? (wurde jedoch wegen zu relativ hoher Amortisationszeit nicht empfohlen)
Schon seit einigen Jahren haben wir verschiedene Maßnahmen ergriffen um unsere Ölheizung zu unterstützen um Heizöl einzusparen.
Der erste Schritt ging in Richtung Kinderplanschbecken, welches nicht beheizbar war. Zur dieser Zeit, wurde uns die Beheizung mit verlegtem Rippenrohr angeboten. Um dies verlegen zu können wurde eine Art Pergola Bedachung um das runde vorhandene Planschbecken erstellt. Auf diesem verlegten wir das besagte Rippenrohr, welches noch mit Wellplastik abgedeckt wurde.

Der Wasserinhalt dieses Kinderplanschbecken beträgt 10 cbm. Seit dieser Investition können wir den kleinen Badegästen angenehmes, kostenlos erwärmtes Wasser anbieten. Die Erfolge waren mehr als zufrieden stellend.
Aus diesen gemachten Erfahrungen und relativ günstigen Beschaffungs- und Herstellungskosten in eigener Regie, wurden weitere Planungen erstellt. Somit wurden auf den weiteren Flachdächern diese Rippenrohre verlegt. Eine Differenzsteuerung schaltet eine Pumpe, welche das Beckenwasser durch die Rippenrohre pumpt. Dies hat den Vorteil, dass kein Wärmetauscher gebraucht und dadurch ein höherer Wirkungsgrad erreicht wird.

Durch diese Maßnahme wurden weitere Einsparungen an Heizöl erzielt.
Nach weiteren Einsparungen wurde gesucht!
Eine Idee wurde verfolgt. Wie wäre es, wenn diese Rippenrohre unter Glas verlegt wären? Wir nahmen Kontakt mit einem Vertrieb auf, welcher mit Sonnenkollektoren handelte. Wir hatten Glück. Uns wurden zum Teil nicht mehr rentierliche, reparaturbedürftige Kollektoren zur Verfügung gestellt, welche wir für unser Vorhaben umfunktionierten und auf das Dach montierten.

Dies hatte zum Erfolg, dass die Abkühlung durch den Wind nicht mehr gegeben war.
Die Arbeit hat sich gelohnt! Die Funktion war überwältigend!

Wir konnten jetzt zwar unsere Ölheizung tatkräftig unterstützen und es zeichnete sich auch eine weitere Einsparung an Heizöl ab. Aber was nützt all diese Gewinnung an Wärme, wenn über Nacht die Abkühlung, durch sinkende Temperaturen und den gegebenen Windverhältnissen der Wärmebedarf immer wieder erneuert werden musste.

Auf den vorhandenen beiden Dächern befinden sich 130 Kollektoren!

Daher kam die große Überlegung das man das Becken mit einer Folie abzudecken könnte.
Informationen holten wir uns noch bei einem benachbarten Freibad, welche eine Abdeckung schon 25 Jahre in Betrieb hatten. Der uns bekannte Schwimmmeister bestätigte die Vorgaben der Vertriebsfirmen, dass wir weitere Einsparungen erzielen können. Wegen der hohen Anschaffungskosten stellten wir weitere Nachforschungen an. Es tauchten Fragen auf: Wie lange dauert die Amortisationszeit? Wie hoch sind die tatsächlichen Einsparungen? Welche Wassertemperaturen erzielen wir mit den Einsparungen? Überzeugt von namhaften Firmen mit den abgegebenen Angeboten, entschlossen wir uns eine Abdeckung zum Preis von 62.000,00 € anzuschaffen.

Zwei Teile der Abdeckung mit je 35 x 7,50 Meter decken den Nichtschwimmerbereich ab. Die Rollen Auf- und Abwicklung erfolgt motorisch und ist auch alleine bedienbar. Der personelle Zeitaufwand gegenüber der Energie Einsparung ist gut vertretbar. Die Gegenüberstellung der letzten zwei Jahre zeigt auf, dass eine 50% Einsparung an Heizöl erzielt wurde. Das ergibt nicht nur eine Einsparung von 20.000,00 Liter Heizöl, sondern die Wassertemperatur konnte bis auf 26 Grad angehoben werden.
Die Jahre 2012 und 2013 waren mit viel Arbeit verbunden. Es wurde eine Erneuerung der Beckenfolie notwendig. Auf die Dachflächen Pergola entlang am Kioskgebäude bis zur Wärmehalle und die Dachfläche auf der Wärmehalle mußte erneuert werden. Teile der tragenden Holzkonstruktion mußten ausgewechselt werden. Diese Dachflächen wurden mit Trapetzblech eingedeckt. Erschwerlich kam dazu, dass die gesamte Solarheizung mit abgebaut und säpter wieder aufgebaut werden mußte. Für diese „Ertüchtigungsmaßnahmen“ wurden vom Amt für Ländliche Entwicklung 70% Zuschuß zugesagt. Der Reparaturaufwand beträgt immerhin 120.000,00 € und dem Förderkreis Freibad Altglashütte verbleiben immer noch 36.000,00 € zum ausgleichen. Dank an alle Helfer.